Es ist offiziell: Der TSV Krofdorf-Gleiberg hat jetzt eine Rugby-Männermannschaft

Es gibt Zuwachs für den Hessischen Rugby Verband: Am Montag, den 23. August, um 18:30 Uhr, kam das neue Baby der stolzen Mutter TSV Krofdorf-Gleiberg auf dem Sportplatz Seeküppel in Krofdorf zur Welt. Es hört auf den Namen Rugby-Männermannschaft und bringt mit seinen vorerst 14 Beinen und ebenso vielen Armen insgesamt über 600 Kilogramm auf die Waage. Mutter und Kind sind wohlauf!

Doch Spaß beiseite: Auch ohne Fernsehpräsenz spricht sich die Faszination von Rugby offensichtlich immer weiter herum. Krofdorfs International-Rugby-Board-Trainer Jens Hausner hatte gerufen und in den vergangenen Wochen für das neue Männerteam fleißig die Werbetrommel gerührt. Tatsächlich kamen sieben furchtlose Männer zum Trainingsplatz. Eben so viele wie Spieler nötig sind, um die olympische Variante, das Siebenerrugby, spielen zu können. Siebenerrugby steht ab den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro wieder auf dem Programm des IOC. Das eigentliche Ziel des TSV aber ist es, das Team in den nächsten Wochen weiter aufzubauen, um im „richtigen“ Wettkampfrugby, dem 15er Rugby mit 15 Spielern pro Team dabei zu sein. Die Aussichten dafür stehen nicht schlecht, konnten noch nicht alle Interessenten, die sich im Vorfeld angemeldet hatten, den ersten Trainingstermin wahrnehmen. Schon in der Rückrunde der gerade beginnenden Saison 2010/11 ist geplant, dass die Krofdorfer XV außer Konkurrenz am Spielbetrieb der hessischen Regionalliga teilnimmt, um in der kommenden Saison als vollwertiges Mitglied einzusteigen.

Zusammen mit den erfahrenen Rugby-Frauen und den U16 Nachwuchsspielern stiegen die Neuen ins Training ein und wurden zunächst mit einem „Touch-Rugbyspiel“, der körperlosen Variante, an die Spielidee herangeführt. Trainingskamerad Gilbert (s. Artikel „Erstes Rugby-Jugendtraining des TSV bei strömendem Wetter nicht ins Wasser gefallen“) führte die Rookies dann auf seine kuschelige Art in die Kunst des Tacklings ein und nach ein paar weiterführenden Vollkontaktübungen ging es dann richtig zur Sache: Tackle-Rugby Sieben gegen Sieben mit Gedränge und allem Drum und Dran.

Nach zwei Stunden war das erste Training vorbei. Ein Blick in die zum Teil etwas verschmutzten und leicht schnaufenden Gesichter ließ unschwer erkennen: Diese Männer kommen wieder. Der eine oder andere bringt vielleicht noch einen Freund mit. Jedenfalls werden es immer mehr werden.

Doch nicht nur im Gießener Raum tut sich was in Sachen Rugby. Davide Galasso, Bruder des französischen Nationalspielers Alessio Galasso steht kurz davor, in Kirch-Göns bei Butzbach einen neuen Rugbyverein zu gründen. Galasso ist ehemaliger Mitstreiter von Hausner aus gemeinsamen Tagen beim Uni Rugby Club Gießen, bei dem beide zusammen mit Gründervater Dr. Andreas Böcker im Jahr 2001 die 15er Mannschaft aufbauten. Nach jüngsten Informationen keimt auch in Wetzlar schon die Rugby-Saat.

Robbie Grieveson, englischer Rugbytrainer, der seit zehn Jahren in Hessen lebt, glaubt den Grund zu kennen, warum Deutschland trotz einer Bevölkerungsgröße von mehr als 80 Millionen Menschen, einer perfekten Sport-Infrastruktur und Weltklasseathleten in den unterschiedlichsten Sportarten noch nicht zu den großen Rugbynationen der Welt gehört. Er hat einmal (in schlechtem Deutsch mit deutlichem Akzent) gesagt: „Wenn ich in Deutschland durch die Straßen gehe, sehe ich überall Rugbyspieler. Das Problem ist, sie wissen es noch nicht, dass sie Rugbyspieler sind. Es hat ihnen noch keiner gesagt.“



Erstes Rugby-Jugendtraining des TSV bei strömendem Wetter nicht ins Wasser gefallen

Am Montag endete für die Rugbyabteilung des TSV Krofdorf-Gleiberg die Sommerpause. Der Wettergott hätte keinen besseren Rahmen dazu liefern können. Teilweise sintflutartig öffnete er die Pforten des Himmels und ließ den Regen auf den Krofdorfer Sportplatz niederprasseln. Die U8 hatte noch Glück und trainierte trockenen Fußes. Doch während sich der Fußballnachwuchs auf der anderen Sportplatzhälfte unter das Vordach des Vereinsheims verkroch, ließen sich die jungen Rugger der U16 von „dem bisschen Wasser von oben“ den Spaß an ihrem Sport nicht verderben. Besonders beliebt bei diesem Wetter: Gilbert tacklen. Gilbert ist quietschgelb, zylinderförmig und aus Schaumstoff in einer Hülle aus LKW-Plane. Er ist ein Tacklesack, an dem Rugbyspieler in aller Welt ihre Fertigkeit im „Tiefhalten“, so die deutsche Übersetzung des englischen Begriffs „Tackling“ üben und verbessern. Die Spieler rennen auf Gilbert zu, knallen mit ihren Schultern in ihn hinein und reißen ihn zu Boden, frei nach der alten Weisheit:  „Und ist der Rasen nass, macht es doppelt Spaß“. Um den frisch sanierten Rasen des Sportplatzes Seeküppel zu schonen, wurde diese Übung natürlich auf den Grünstreifen hinter der Absperrung verlegt. Pünktlich zum Trainingsende riss die Wolkendecke auf und die Sonne lachte vergnügt in den Krofdorfer Abendhimmel hinein…

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